Wolfgang Kogler

EggenLend – ein Grazer Stadtteil im Wandel.

Räume wandeln sich, Häuser wachsen, Bäume verschwinden, Begegnungsorte werden anders, Wege werden neu und vor allem: Viele neu Menschen ziehen im Stadtteil ein und werden Teil der Nachbarschaft!

Das Projekt Interface Nachbar beschreibt bereits im Titel was es begleitend für ein gutes Zusammenleben in einem Stadtteil in der Nachbarschaft braucht – Schnittstellen und Brücken. Der Begriff „Interface“ beschreibt oft technische Schnittstellen vielmehr betrachtet die Stadtteilarbeit EggenLend die Brücke und die persönlichen Verbindungen zwischen Menschen. Es ist nicht immer eine einfache Aufgabe dabei zu begleiten bestehende Verbindungen zu erhalten und neue aufzubauen. „Ich wohne in EggenLend“, als Aussage einer Bewohnerin, drückt vielmehr aus als in den eigenen vier Wänden zu sein. Es ist eine Lebenswelt, die sie umgibt und in der sie beeinflusst wird von der Umgebung wo sie wohnt und in der Voraussetzungen und Möglichkeiten existieren (oder nicht) um ein Leben zu leben. Nicht immer in vollem Bewusstsein und doch fragen sich Bewohner:innen: Welche Identität hat dieser Stadtteil und welche Ressourcen? Was kann ich hier alles machen außer schlafen? Fühle ich mich sicher? Wer wohnt hier noch so alles in der Nachbarschaft? Egal in welcher Stadt oder Dorf jemand wohnt die Fragen stellen sich für ein Leben an diesem Ort. So auch in EggenLend. 

Wo is EggenLend?“ – EggenLend ist eine Kreation der Praxis, als gefühlter Bezirk im Grazer Westen zwischen Hauptbahnhof und Schloss Eggenberg, zwischen Köflacherbahnhof im Süden und Peter-Tunner-Gasse im Norden. Erlebnisse mit Bewohner:innen der vergangenen 10 Jahre im Rahmen der Stadtteil- und Gemeinwesenarbeit haben gezeigt, dass nicht alle wissen in welchem Grazer Bezirk sie eigentlich wohnen. Nicht, dass es ganz so wichtig wäre, jedoch sind diese „Bezirksgrenzen der Identität“ immer wieder ein Thema. Grenzen mit Wortkreationen im Positiven aufzulösen, wie jene der beiden Grazer Bezirke Eggenberg und Lend, sind beim Betrachten von Identitäten und Sichtweisen und auch Vorurteilen hilfreich. Es schafft einen Anreiz sich über die Sache und Mensch sein zu unterhalten und ins Reden zu kommen.

Damit landen wir auch schon mitten drinnen in der Rolle der Stadtteilarbeit EggenLend. Das Ziel ist es, Bewohner:innen dabei zu unterstützen ein Gefühl des „Hier-zuhause-seins“ empfinden zu können und ein gutes (Zusammen-) Leben zu fördern. Als niederschwellige Andockstelle mit dem Stadtteilzentrum EggenLend und dem Anbieten von themenvielfältigen Aktivitäten wollen wir einen Beitrag zum Erhalt und der Verbesserung der Lebensqualität setzen. Das Beste Mittel ist es, mit und zwischen den Leuten ins Reden zu kommen! Entspannte Situationen schaffen, um Begegnung auf Augenhöhe zu ermöglichen und Raum für Neues zu gestalten. Die Vielfalt der Menschen und die Unterschiedlichkeit von Persönlichkeiten zusammenzubringen und bekannt zu machen, braucht manchmal professionelle und empathische Brückenbauer:innen – Menschen aus dem Team der Stadtteil- und Gemeinwesenarbeit.  Egal ob beim offenen Dienstagsfrühstück, in der Sprechstundenzeit, im KostNix-Laden oder einfach am Gehsteig bei Aktionen im Öffentlichen Raum wir wollen Orte der freundlichen Begegnung schaffen. Es ist wichtig vor allem auch jenen Menschen eine Teilhabe zu ermöglichen, deren Ressourcen bis dato zum Beteiligen aus unterschiedlichsten Gründen nicht ausreichend waren. Ganz gezielt braucht es hier ein Zugehen und Unterstützung um Beteiligung zu ermöglichen.

Die Ausstellung von Interface Nachbar hat ebenso eine öffentliche und doch persönliche Begegnungszone geschaffen. EggenLend im Wandel und der Analyse und Darstellung des Wohn- und Lebensraums, wie er früher einmal war und heute ist, regt an sich mehr mit der eigenen Wohnumgebung auseinanderzusetzen. Geschichte wie es damals einmal ausgesehen hat, als der heutige Grazer Westen von Eggenberg vor 1938 noch eine eigene Marktgemeinde war und vor allem Geschichten wie Menschen hier gelebt haben und heute miteinander leben. Austausch und gemeinsame Reflexion über Entwicklungen im Stadtteil in Bezug zu ganz persönlichen Bedürfnissen der Bewohner:innen stehen dabei im Mittelpunkt der Stadtteilarbeit. Es sollen dabei gegenseitiges Verständnis für unterschiedliche Meinungen und die Zufriedenheit der Bewohner:innen erhöht werden. Langfristig entstehen durch das gegenseitige Zuhören nachhaltige Wirkungen wie Kompetenzen zu einer kritischen und achtsamen Konfliktkultur sowie einem besseren nachbarschaftliches Miteinander.

Das alles sind Entwicklungen, die aus unserer Sicht für eine Stadt demokratischer Teilhabe und niederschwelliger Mitbestimmung wünschenswert sind. Die Erfahrung zeigt immer wieder, dass es hier noch Luft nach oben gibt, um im Sinne eines Inklusionsansatzes benachteiligte Stadtteile und Personengruppen mit einzubeziehen.

Die Stadtteilarbeit EggenLend wird weiter aufmerksam mit viel Einsatz regional in diesem Stadtteil aktiv bleiben. In Kooperationen wie mit den Studierenden des Interface Nachbar Projekt zeigt sich was alles möglich ist, wenn es ein Zusammentun gibt. Das wichtigste Ziel bleibt für uns einen Mehrwert für die Bewohner:innen und ein gutes Miteinander zu schaffen. In diesem Sinne: „Auf bald, auf gute Nachbarschaft!