Wirtschaftsgeschichte

Brauerei Reininghaus

Das Areal zwischen Reininghausstraße, Alte Poststraße, Brauhausstraße und Kratkystraße ist ein altes Gewerbegebiet. Als die Brüder Reininghaus 1853 das Mauthaus am Steinfeld für 99.000 Gulden kauften, war es noch ein unbedeutender Kleinbetrieb. Er wuchs in der Zeit der industriellen Revolution zu einem riesigen Unternehmen heran. 1943 erfolgte die Zwangsfusionierung mit der Brauerei Puntigam in der Triester Straße 357, der Standort in Eggenberg wurde 1947 stillgelegt. Das Ensemble der ehemaligen Brauerei am Steinfeld ist mit seinen erhalten gebliebenen Bauten und naturräumlichen Elementen ein einzigartiges Industriedenkmal (Villa Keil, Brunnenhaus, Malztenne und Silospeicher sind denkmalgeschützt). Begrenzung: Reininghausstraße, Alte Poststraße, Kratkystraße und Brauhausstraße
Firmenareal (Gesamtfläche): 195.000 m2

Reininghausstraße 1-7

Brotfabrik Steiner

Die Bäckerei Steiner wurde 1896 durch Franz Steiner gegründet. Die Brotfabrik befand sich auf dem Gelände der jetzigen Bäckerei Sorger und den danebengelegenen Parzellen und Gebäuden. Franz Steiner hatte zuvor 1893 mit Bäckerkollegen die Steiermärkische Arbeiterbäckerei gegründet (Eggenberger Allee 30a), übersiedelte danach in die Eckertstraße/Ecke Gaswerkstraße und gründete 1896 schließlich seinen eigenen Betrieb. Die ersten Betriebsräume waren mit einem kleinen Lehmbackofen ausgestattet. Mit drei bis vier Bäckergesellen wurden Steiner-Erzeugnisse in zwei Brotkarren nach Algersdorf und Baierdorf geliefert. Erst nach Ankauf eines Pferdewagens konnten auch die Kaufleute in Graz beliefert werden. Um im Konkurrenzkampf gegen die Steiermärkische Arbeiterbäckerei bestehen zu können, setzte Steiner ab 1910 zunehmend auf maschinelle Erzeugung. 1960 zählte der Betrieb rund 90 Beschäftigte, davon die Hälfte Frauen. 1980 wurden die Häuser an der Eggenberger Allee 36 und 38 sowie die Produktionsanlagen an die Firma Sorger verkauft. Die restlichen Grundstücke und Häuser sind nach wie vor im Besitz der F. Steiner GmbH.

Begrenzung: Eggenberger Allee, Vinzenzgasse, gedachte Verlängerung der Klopstockgasse, Franz-Steiner-Gasse. Firmenareal (Gesamtfläche): 11.000 m2

FH JOANNEUM

Vor der Gründung der FH JOANNEUM (1995) war der Komplex Alte Poststraße 149, also das heutige FH-Hauptgebäude, das Verwaltungsgebäude der Simmering-Graz-Pauker AG. Am gegenüberliegenden Areal, Alte Poststraße 152, standen die Lagerhallen des Landwirteverbandes (Landwirtschaftliche Hauptgenossenschaft Steiermark). Hier wurden Kunstdünger, Saatgut, Futtermittel, landwirtschaftliche Maschinen, Heu, Stroh und Speisekartoffeln gelagert. Die FH JOANNEUM wurde als Fachhochschule mit drei Standorten in Graz, Kapfenberg und Bad Gleichenberg gegründet. Sie hat rund 5.000 Studierende, rund 750 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und 1.180 Lehrbeauftragte. Sie bietet Studiengänge mit wirtschaftswissenschaftlichem, technischem, gesundheitswissenschaftlichem und sozialwissenschaftlichem Schwerpunkt.

Johann Hornig Kaffee

Das Unternehmen stellt seit 1912 Kaffee- und Teeprodukte für Einzelhandel, Gastronomie und Büros her und wird heute in vierter Generation von der Familie Hornig geführt. Das Stammhaus mit einer Kaffeerösterei im ersten Stock befand sich in den Räumen der Lebensmittelhandlung Schnürch in der Sporgasse 24. Ab 1913 führte das Geschäft auch diverse Teesorten, Nahrungs- und Genussmittel wie Champagner oder polnische Speckwurst und Gebrauchsgegenstände wie Bügelkohle. 1946 wanderte der Firmensitz in die Annenstraße, wo ein Lebensmittelgroßhandel entstand. 1957 begann die neue Unternehmensführung mit dem Bau einer 16.000m2 großen Firmenzentrale in der Waagner-Biro-Straße, die 1961 bezogen wurde. Hier waren u.a. eine Kaffeegroßrösterei, eine Teepackerei und ein Kühllager untergebracht. Fünf Jahre nach dem Umzug ins neue Werk expandierte J. Hornig nach Kärnten. Zur Zeit ihrer größten Ausdehnung verfügte die Firma über 13 Filialen. Nach der Konsum-Pleite 1994 übernahm J. Hornig zehn Filialen der bankrotten Lebensmittelmarktkette, kam 2005 aber selbst wirtschaftlich unter Druck. Daraufhin gab man alle Eigenfilialen sowie 600 Gastro-Kunden an die Pfeiffer-Handelsgruppe ab und führt seither ausschließlich Kaffee und Tee. 2013 wurde das Areal in der Waagner-Biro-Straße saniert – in die Marke und den Standort in Graz flossen vier Millionen Euro. Das Unternehmen beschäftigt derzeit 46 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, der Umsatz beläuft sich pro Jahr auf ca. 13 Millionen Euro.

Simmering-Graz-Pauker

Die Simmering-Graz-Pauker (SGP) AG war zwischen 1941 und 1989 das größte österreichische Industrieunternehmen im Bereich Maschinen-, Kraftwerks- und Schienenfahrzeugbau. Das Firmenareal erstreckte sich 1931 auf riesigen 130.000 m2 – einer Fläche größer als 18 Fußballfelder. Der Holzlagerplatz allein war etwa 50.000 m2 groß. Prägend für die Entwicklung in EggenLend war bereits zuvor der Aufschwung der Firma Johann Weitzer (1832 – 1902) zur Grazer Waggon- und Maschinenfabriks-AG 1872. Hier hatte der k. & k. privilegierte Wagenfabrikant mit bis zu 1.500 Arbeitern vor allem militärische Fuhrwerke, Post- und Sanitärwagen produziert. Ab den frühen 1890er Jahren war die AG spezialisierter Hauptlieferant für Schmalspurfahrzeuge und elektrische Triebwagen für Schmal- und Normalspur. Ab 1900 avancierte die Fabrik zum ersten und größten Erzeuger von Dieselmotoren und elektrischen Schienenfahrzeugen. 1931, zur Zeit der größten Firmenausdehnung, umfasste die Waggon- und Maschinenfabriks-AG eine moderne Holztrockenanlage, eine Schmiede, eine Kesselschmiede, diverse Hallen für Untergestell- und Kastenbau, eine Schlosserei sowie eine Montagehalle und eine Lackierungsabteilung. Mit der Wirtschaftskrise brach der Absatz aber rasant ein, das Unternehmen schlitterte in ein Sanierungsverfahren, das 1934 in der Fusionierung mit der Simmeringer Maschinen- und Waggonbau-AG mündete. Die gesamte Produktion und die Dieselmotorfertigung wurden daraufhin nach Wien verlegt, nur die Schmiede mit 250 Arbeitern blieb noch in Betrieb. 1935 schloss auch die Gießerei. Zuletzt firmierte die Gesellschaft (ab 1939) unter Grazer Maschinen- und Waggonbau-Aktiengesellschaft, bevor sie 1941 mit der Paukerwerk-AG und der Simmeringer Maschinen- und Waggonbau-Aktiengesellschaft zur neuen Simmering-Graz-Pauker AG für Maschinen-, Kessel- und Waggonbau zusammengeschlossen wurde. Das neue Unternehmen stand im Besitz der Reichswerke Hermann Göring und diente wie viele andere Firmen dem Bau von Rüstungsgütern. Es wurden in Graz große Serien von Güter- und Kesselwagen für die Reichsbahn gebaut, aber auch Geschütze, Minenwerfer, Munition und Torpedos für Wehrmacht und Marine. Während der Kriegsjahre waren bis zu 1.600 Arbeiter im Grazer Werk beschäftigt.

An die 110 Volltreffer im Werksgelände während zahlreicher Bombenangriffe zwischen November 1944 und April 1945 zerstörten die Grazer Waggonfabrik fast vollkommen. Nach Kriegsende wurde der Betrieb rasch wieder aufgebaut, von nun an war Graz Standort für E-Lok, Waggon und Triebwagenfertigung des 1946 verstaatlichten SGP-Konzerns. Der traditionsreiche Standort existiert unter der Bezeichnung Siemens AG Österreich noch heute am selben, aber wesentlich kleineren Standort weiter. Hier werden heute Drehgestelle und Stromabnehmer für Lokomotiven, Triebwagen und Waggons produziert.

Eggenberger Straße, Köflacher Gasse, Alte Poststraße
heute Siemens AG Österreich (Firmenareal: heute 83.000 m2)

Waagner-Biro

Was Mitte des 19. Jahrhunderts als kleines Handelshaus unter Rudolph Philip Waagner (1827–1888) in Wien begann, entwickelte sich über die Jahrzehnte zu einem weltweit operierenden Stahlbauunternehmen mit 17 Standorten und vier Spezialgebieten: Stahl-Glas-Technik, Brückenbau, Bühnentechnik und Spezialmaschinen. Unter dem Namen Waagner-Biro bestehen heute noch zwei österreichische Stahlbauunternehmen sowie die britische Waagner Biro Steel and Glass GmbH. Den Namen Waagner-Biro führt das Unternehmen seit 1924; er hat in Graz im Namen der bahnparallelen Straße vor der Helmut-List-Halle überlebt. Zeitsprung zurück ins Jahr 1899: Die Firma Waagner expandierte erstmals nach Graz und kaufte ein Brückenbau-Unternehmen und eine Schmiede. Das gesamte Firmenareal umfasste 74.000m2 (über zehn Fußballfelder). Von hier aus wurden Brückenkonstruktionen in die ganze Welt geliefert – die Schwedenbrücke, die Floridsdorfer Brücke oder die Augartenbrücke in Wien. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Dachkonstruktion der zerbombten Staatsoper und des Stephansdomes neuerrichtet. Auch der Wiederaufbau und die Rekonstruktion des zerstörten Burgtheaters gehen zum größten Teil auf Waagner-Biro zurück. Zu den neueren Arbeiten gehören etwa die Kuppel des Deutschen Reichstagsgebäudes in Berlin, das Dach des British Museum in London oder der Hangar-7 am Airport in Salzburg. Eine Halle der ehemaligen Waagner-Biro (Sparte Kesselbau) in Graz wurde 2002/2003 zur Helmut-List-Halle für Theater und Konzerte umgebaut. 2012 wurden die letzten verbliebenen Hallen, alle nordwestlich des Hauptbahnhofs, abgerissen. In diesem Gebiet entsteht das technologisch innovative und energie-effiziente Stadtentwicklungsprojekt Smart City mit dem Science Tower als neuem Wahrzeichen.

Firmenareal: 74.000 m2

Grazer Hauptbahnhof & Köflacher Bahnhof

Das großräumige Areal des Grazer Hauptbahnhofs und des Köflacher Bahnhofs mit seinem Geflecht an Schienen war nicht nur ein wesentlicher Wirtschaftsmotor für EggenLend, sondern auch prägend für die Stadtentwicklung. Die Grazer verdanken die frühe Errichtung beider Bahnhöfe der visionären Lobbying-Arbeit des Erzherzogs Johann (1782 – 1859), der sich bereits ab 1825 für eine Bahnverbindung zwischen Wien und Triest einsetzte. 1844 dampfte die erste Lok zwischen Graz und Mürzzuschlag und passierte auf ihrem Weg erstmals den Durchgangsbahnhof „Stationsplatz Graz“, der 1847 fertiggestellt war. Die Köflacherbahn nahm für den Kohletransport 1859, für den Personenverkehr ein Jahr darauf, ihren Dienst auf. Der Hauptbahnhof wurde innerhalb von 27 Jahren einmal erweitert bzw. zweimal komplett neu errichtet. Die heutige Anlage ist ein Kind der 1950er bzw. 2013er Jahre. Städtebaulich relevant war auch die mit dem Hauptbahnhof einhergehende Errichtung der Annen- und der Keplerstraße: Mit dieser Maßnahme wurde das letzte Stück Ackerland zwischen Eggenberg und Lend geschlossen, womit die Murvorstadt direkt und rasch erreicht werden konnte.

Zuckerwarenfabrik F. S. Englhofer, Mariengasse 21-27
Seidenraupenmanufaktur, Mariengasse – gleich neben Zuckerfabrik
Albert Eckert Essig-, Likör- und Senffabrik (Alte Poststraße 124), seit 1834
Seifenfabrik Matthias Kalles, Eggenberger Allee 22 (vormals Hermann-Göring-Allee)
Grazer Glasfabrik, Glasfabrikstraße, Lastenstraße, Peter-Tunner-Gasse, nördlich der ÖBB-Gleisanlagen. Fläche: 49.000 m2
Ernest Szabó, Glocken- und Metallgießer, Wienerstraße 91
Rudolf Mörth Metallgießerei und -dreherei, Babenbergerstraße 104
Michael Graf Weinkellerei, Rochelgasse 10
Pfrimer Weinkellerei Graz, Keplerstraße 118 und Eggenberger Allee 89
Großkellerei Keglovics, Keplerstraße 114
Konsumbäckerei, Karl-Morre-Straße/Grasbergerstraße
Steiermärkischen Brotwerke, Eckertstraße 67
Fassbinderei Josef Puchleitner, Gaswerkstraße 2 und Eggenberger Allee 1
Stahl- und Walzwerk Marienhütte GmbH, Südbahnstraße 11