Grüne Alternativen?

„Wir setzen Bäume“ sagt der Bürgermeister ganz gescheit.

Ich sag immer, diese Bohnenstrecken, die werden nicht größer. Weil die setzen sie zwischen Beton und unterhalb ist Beton, wie sollen die denn größer werden?

Die Alternative ist Initiative! Einen Lösungsansatz für bereits bestehende Flächen bietet zum Beispiel das so genannte Vertical Gardening, bei dem Grünflächen vertikal an Fassaden angebracht werden. Große Flächen gäbe es in EggenLend genug, denkt man an die zahlreichen industriellen Häuserfassaden, die das Stadtbild mitunter prägen. Neben einer optischen Aufwertung, hätten solche grünen Fassaden auch weitere Vorteile, welche die Lebensqualität der Bewohner:innen verbessern würden. Sie filtern Feinstaubpartikel aus der Luft, sorgen für Lärmabsorption an stark frequentierten Verkehrswegen und verbessern das Mikroklima.

Es zeigt sich also, dass das Angebot an Grünflächen in EggenLend starkes Ausbaupotenzial hat, im Großen wie im Kleinen. Ein industriell geprägter Kern und Grünflächen müssen sich jedoch nicht gegenseitig ausschließen. Vielmehr können sie als notwendige Ergänzung betrachtet werden, die das Potenzial hat, den Bezirk ein wenig lebenswerter für alle zu machen.

„welche Hochbeete?“

Davon abgesehen bietet das Viertel bereits einige Gemeinschaftsgärten (Hochbeete) die ebenfalls zur Begrünung der Stadt beitragen. Jedoch scheinen der Nutzen und das Potenzial dieses Angebots noch nicht ausreichend bei der Bevölkerung angekommen zu sein, so konnten wir es jedenfalls unseren Interviews entnehmen. Neben den Gärten rund um die Fachhochschule (siehe Stadtplan) kann auch das green.LAB- Projekt in der Waagner-Biro-Straße als positives Beispiel für innovative „Urban-Greening-“Vorhaben genannt werden (siehe Foto rechts).

WUSSTEN SIE?

… dass die Stadt Graz für Ihr Stadtgebiet eine Förderung für urbane Begrünungen, insbesondere für Grazer Gemeinschaftsgärten, Stadtbaumpflanzungen sowie für die Beratung bei Dach- u. Fassadenbegrünungen und die Errichtung von Dach- und Fassadenbegrünungen gewährt!

Die Stadt Graz fördert außerdem die Errichtung von Dachbegrünungen gewerblicher Hallen mit 10 €/m2 begrünter Fläche bis zu einer max. Förderhöhe von 40.000 €/Objekt.

Derart genützte Dach-Gärten oder Gemeinschaftsgärten stellen eine gute Alternative zu kahlen Betonwüsten dar, denn sie bringen sowohl soziale als auch umwelttechnische Vorteile mit sich, die also nicht nur die Natur, sondern vor allem auch die gesamte Nachbarschaft bereichern würden.

„… das wäre so super, umwelttechnisch wäre es auch gut – allein wegen der Temperaturen, die Nachbarn würden sich auch viel besser kennen lernen!“

ES GRÜNT SO GRÜN

… ja es wird immer so viel geredet von der Politik und ja, ja, ja … aber nur wie lange wird schon geredet? Und wie viel ist entstanden?“

Übrigens: 10 Quadratmeter pro Kopf öffentlichen Freiraum sollte jeder Bürger und jede Bürgerin der Innenstadt zur Verfügung haben, so das Ziel der Stadtplanung. Betrachtet man jedoch das Angebot an frei-zugänglichen Parks in Eggenberg, zeigt sich, dass für die Anwohner:innen theoretisch nur 0,89 m2 Grünfläche zur Verfügung stehen!

„… bei den Dächern könnten sie die Wiesenblumen, also die Streublumen ansähen – für die Bienen. Das können sie machen!“

Und: 10 Zentimeter Erde braucht es nur, um ein Dach mit Blumen zu begrünen! Dabei handelt es sich zwar „nur“ um eine extensive Begrünung, die prinzipiell nicht begehbar ist, auf Grund des geringen Aufwandes bringt jedoch auch das Anlegen einer Bienenwiese mehr Nutzen mit sich als graue Flachdächer.

Ich glaube mittlerweile muss man das gewöhnt sein in der Stadt, weil die Stadt wird einfach nur aus Beton sein… irgendwann, mehr nichts.“

90,09% DER GRAZER STADTFLÄCHE IST BEREITS BEWOHNT

… was keineswegs bedeutet, dass die restlichen 10 Prozent aus Grünflächen bestehen, denn sämtliche Industriegebiete fallen nicht in diese Angabe hinein! Es handelt sich rein um die mit Wohnfläche verbauten Gebiete der Stadt Graz. Trotzdem gingen alle von uns befragten Personen davon aus, dass auch hier bald ein neuer Wohnkomplex gebaut werden wird.

Wenn sie aber die Wahl hätten, sind sich alle Befragten einig: Sie würden hier gerne einen Park errichten, mit einer großen Wiese, vielen Sitzmöglichkeiten, Platz zum Spielen, zum Grillen und zum Trainieren und für alle offen – auch für die Vierbeiner unter uns.

„… aber das wird nicht gehen, weil es ist ja oben der Park … drum werden sie unten gar nichts machen – das ist verloren.“

0,49% des Grazer Stadtraums müssen sich hingegen die Bereich Kultur, Freizeit, Bildung und Gesundheit teilen! Wir bitten Sie daher, sich das obere Bild noch einmal genauer anzuschauen und sich die Frage zu stellen: wenn sie die Möglichkeit hätten, diese Fläche frei zu gestalten …

WAS WÜRDEN SIE TUN?

Natürlich sind auch private Grünflächen essenziell für das Klima und auch das Bild einer Stadt wie Graz, doch hat nicht jeder und jede die Möglichkeit davon zu profitieren und es muss doch an die Gesamtbevölkerung gedacht werden. Jeder Mensch sollte eine Erholungsstätte, eine grüne Oase in seiner Näher zur Verfügung haben, um spazieren, laufen, spielen gehen zu können, um sich mit Freunden zu treffen, dem Lärm der Stadt entkommen zu können, den Hund auszuführen, um Schatten zu finden an heißen Tagen oder Schneemänner zu bauen im Winter. Es gäbe zahllose Gründe, die für mehr Stadtbegrünung sprechen und die einen enormen Einfluss auf die Zufriedenheit der Bevölkerung hätten, die aber vor allem auch unseren tierischen Nachbarn wieder mehr Lebensraum bieten könnten.

„Für mich ist klar, dass ich in den nächsten Jahren wieder aufs Land ziehen werde. Mir ist das zu laut, zu schnell – wenn ich die Möglichkeit habe, bin ich weg. Wir haben die Möglichkeiten vertan. Schade.“