Fotografien aus Eggenlend

„Was fotografieren Sie da?“ – „Den weißen Strich.“ – „Was ist daran so spannend?“ Ich bin verwundert darüber, wie oft Leute Interesse daran haben, warum ich etwas fotografiere. „Der weiße Strich verbindet die beiden Seiten miteinander.“ Er schaut mich an, als wäre ich verrückt: „Sie studieren das vermutlich, oder?“ Ganz richtig liegt er nicht, aber in gewisser Weise studiere ich den weißen Strich und sage: „Ja.“ Ich weiß natürlich, dass er damit nicht den Strich, sondern „irgendetwas Kreatives“ meint.

„Machen sie Fotos?“, höre ich von rechts. Ein Mann mit Zetteln unter seinem Arm steht vor mir. Ob er sich als Bewohner oder aus beruflichen Gründen hier aufhält, ist mir nicht klar. Er fragt, was dieses „Ding“ hier sei. Mit dem „Ding“ meint er meinen Systemblitz. Ich antworte: „Ein Blitz, der mir zusätzlich zum Sonnenlicht, Licht gibt.“ Keine Antwort von ihm. Nachdem er nochmals ganz nah an meinen Blitz geht, um diesen genauer zu betrachten, dreht er sich um und verabschiedet sich.

Ich habe mich in einen etwas lauteren Konflikt mit einer Frau verstrickt. Sie beschwert sich darüber, dass ich auf einem Privatgrundstück Abdeckungen von Motorrädern fotografiere. Sie meint, ich würde die Privatsphäre nicht einhalten. Ich schaue mich um. Ich stehe auf einem Parkplatz, einen Meter von einem Tor entfernt. Der Parkplatz wirkt auf mich eher wie ein öffentlicher Parkplatz vor einer großen Siedlung. Sie macht mich auf das Schild „PRIVAT“ aufmerksam. Ich hatte es vorhin nicht gesehen. Plötzlich meint sie, ich muss die Bilder von meiner Kamera löschen. Für mich kommt das keineswegs infrage. Nun fühle ich mich in meiner Privatsphäre belästigt.

Ich fotografiere ein Kanalrohr und hocke dafür am Boden. Eine Frau steht vor mir: „Ah und Sie machen den Abfluss?“

Ich nehme Platz auf der Bank der Haltestelle und erkenne im linken Blickwinkel eine ältere Dame, mit der ich vorhin schon ein nettes Lächeln ausgetauscht hatte. Sie zückt ihr Smartphone und macht ein Foto von meinem Stativ, auf das ich meinen Mantel gelegt hatte. Ich erkenne, dass es aussieht wie eine menschliche Figur. Sie bemerkt meine Reaktion und steckt ihr Handy sofort wieder ein, vermutlich aus Angst, ich könnte sie entdecken.

Ich ärgere mich darüber, dass meine Reaktion sie dazu veranlasste, mit dem Fotografieren aufzuhören, aber freue mich, dass eine Frau in diesem Alter von meiner Stativfigur dazu inspiriert wurde, ein Bild mit ihrem Smartphone zu machen.

Ein Mann am Fahrrad bleibt mitten auf der Straße stehen. „Ich frage mich, was an dieser Stiege, die Sie fotografieren, so spannend ist? Ist doch nur eine einfache Stiege zum Raufkommen?“ In dem Moment erkenne ich diese schöne Metapher und finde Stiegen plötzlich gar nicht mehr einfach.