Schöne Ecken

Spielplätze, prunkvolle Hausfassaden, alte Kirchen, neue Entwürfe – all das lässt sich in EggenLend finden. Aber gibt es wirklich noch genug schöne Ecken für Anrainer*innen oder geht alles durch billige Großbauprojekte zugrunde?

Man sagt, dass Schönheit im Auge der Betrachter*innen liegt, aber stimmt das? Wir alle glauben zu wissen was Schönheit ist. Sobald wir etwas sehen, bewerten wir automatisch ob und wie sehr es uns gefällt. Warum und nach welchen Regeln wir etwas als schön empfinden, ist komplex und kaum zu begründen. So selbstverständlich wir diesen Begriff äußern, so schwer ist er wiederum zu erklären und zu rechtfertigen. Ist uns der Sinn für Ästhetik von Natur aus gegeben oder hat sich ein gemeinsames Ideal entwickelt, als Produkt verschiedener Kulturen und Modeerscheinungen, welche sich stets im Wandel befinden? Schönheit ist jedenfalls ein spannungsreiches und vielfältiges Thema, welches sich durch unser aller Leben zieht. Abhängig von Lebenslage, sozialem und kulturellem Umfeld, Bildungsstand und Interessen, variiert und entwickelt sich das Empfinden von Schönheit stetig und trägt so zur Prägung des Begriffs in der Zukunft bei.

Während mehrmaligem Durchstreifen von Eggenlend summierten sich subjektive Eindrücke von besonders schönen Ecken. Die folgende Wertung bzw. Auswahl beinhaltet ästhetisch ansprechende Gebäude, einladend gestaltete Plätze, Parks, Gärten, Grünflächen oder Straßen, welche Lust machen näher hinzuschauen oder länger vor Ort zu verweilen.

In Eggenlend lassen sich einige bauliche und auch begrünte Schmuckstücke finden, wenn auch nur sehr spärlich gesät und oftmals gut versteckt. Ein Fußweg durch überwiegend triste Straßen erfordert hin und wieder einen aufmerksamen zweiten Blick für meist unbeachtete Details. So kann beispielsweise die besondere Gestaltung einer Eingangstür (Eggenberger Allee) oder eines Vorgartens (Daungasse) erhascht werden, oder die aufwändige Fassadengestaltung der Jugendstilbauten in der Prangelgasse erfreuen. Weiters gibt es mit der Pfarrkirche St. Vinzenz einen Neorenaissance-Bau aus dem Jahre 1892, welcher sowohl von innen als auch von außen genossen werden kann. Überwiegend sprießen aber wohl Neubauten aus allen Ecken des Bezirks, die sehr wohl auch einen ästhetischen und hervorstechenden Charakter haben können, wie die Eggenberge in der Alten Poststraße oder die Auster in der Janzgasse beweisen. Teilweise gut hinter Zäunen versteckt, lassen sich zudem immer wieder sehenswerte, urige Einfamilienhäuschen entdecken, welche oft gepaart mit großflächigen Gartengrundstücken zu finden sind (Andreas-Hofer Straße). Wenn letzteres fehlt, erholt man sich im Glücksfall in einem der beiden relativ großflächigen Heimgarten-Anlagen – Steirischer Panther (Eggenber- gerstraße) oder Luisiengarten (Algersdorferstraße) – die von außen die individuelle Schönheit dieser Grünoasen nur erahnen las- sen. Der Allgemeinheit gewidmet ist hingegen der kleine Park am Hofbauerplatz, welcher gemeinsam mit den nebenan liegenden Bauernmarkt-Ständen ein charmantes Bild zeichnet. Als Treffpunkte für und mit Kindern stehen mehrere Spielplätze zur Auswahl, besonders die Gestaltung des Spielplatzes Junges Europa springt ins Auge.

Fazit dieses ersten Eindrucks ist, dass sich zwischen den vielen nicht sehr ansehnlichen Wohnbauten und Siedlungsblöcken bzw. Industrieanlagen und Großbaustellen doch sehr viele Grünoasen und Wohlfühlorte verstecken. Leider sind diese aber hauptsächlich privat und den restlichen Anrainer*innen bzw. Menschen, die sich im Bezirk aufhalten und nicht dort wohnen, nicht zugänglich. Für all diese Personen fehlen öffentliche Aufenthaltsmöglichkeiten. Es gibt in dem begrenzten Gebiet EggenLend kaum frei zugängliche Park- oder anderweitige Grünanlagen und auch keine größeren Plätze, an denen man sich angenehm hinsetzen und im Freien aufhalten könnte. Wichtig wäre es die Anrainer*innen, die in EggenLend ihren Alltag verbringen, nach ihren persönlichen, schönsten Orten zu befragen bzw. ihre Verbesserungswünsche für das Gebiet aufzugreifen.